Aufruf: Schließen wir die Kollektivbetriebe am 8. März! Leisten wir unseren Beitrag zum FemStreik!

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Seit mehreren Jahren kommt es am 8. März weltweit wieder verstärkt zu feministischen Streiks mit Millionen Streikenden. Gründe gibt es leider immer noch genug: Gender Pay Gap (Lohnunterschied zwischen Frauen* und Männern)(1), Gender Pension Gap (Unterschiede in der Höhe der Renten)(2), Morde und Gewalt an trans Personen und Frauen (3), patriarchale Familienverhältnisse, Unterstützung antifeministischer Regime wie der Türkei durch die Bundesrepublik und viele mehr. Die Corona-Krise hat die häusliche Gewalt und die soziale Isolation insbesondere von Frauen in Zwangsverhältnissen verschärft, Frauen, mutmaßlich auch trans und nicht-binäre Personen, aus dem Erwerbsleben heraus gedrängt und weiblich geprägte Berufe wie die Pflege und den Einzelhandel vielerorts weiter prekarisiert.

Als Kollektivbetriebe versuchen wir, manche sexistische Verhältnisse abzufedern und auszugleichen, trotzdem bleiben wir von ihnen betroffen. Unsere trans, nicht-binären und/oder weiblichen Kolleg:innen kommen in unsere Kollektive mit ihren Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, oft mit schlechterer, finanzieller Absicherung, größeren finanziellen Belastungen und Zukunftssorgen. Sie leisten in ihrem Alltag immer noch mehr unbezahlte Haus- und Sorgearbeit. Außerdem scheint es, als würden überdurchschnittlich mehr Männer von neu geschaffenen, kollektiven Arbeitsplätzen profitieren. Weiterhin hören sexistische Vorurteile und männliche Dominanz nicht einfach durch den Eintritt in einen Kollektivbetrieb auf, ihre Überwindung bleibt ein permanentes Thema. Noch viel drastischer ist die Lage für Kollektivist:innen in anderen Ländern, bspw. in Nord-Ost-Syrien, wo kollektive Betriebe, speziell zur finanziellen Unterstützung von Frauen geschaffen und vom türkischen Regime und seinen dschihadistischen Verbündeten mit deutschen Waffen und deutscher Rückendeckung militärisch bedroht werden. (4)

Wir möchten als Kolleg:innen daher dazu aufrufen, den 8. März auch bei euch in den Betrieben zum Anlass zu nehmen, über geschlechtsspezifische Mehrbelastungen zu diskutieren, Konzepte dagegen zu entwickeln und auszuprobieren.

Was wir tun können
Wir möchten euch bitten, als Akt der Solidarität und um die Vision vom globalen, feministischen Streik zu unterstützen, den Betrieb am 8. März ruhen zu lassen. Politischer Streik, wie es ein Fem-Streik ist, steht in Deutschland nicht nur vor dem Problem, von den Gerichten verfolgt zu werden (siehe dazu die Streikrechtsbroschüre der FAU), sondern ist auch eine absolute Seltenheit. Gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen sind für die meisten Menschen von der betrieblichen Sphäre scharf getrennt. Grundlage für eine erfolgreiche Streikbewegung ist es also zunächst, überhaupt eine gedankliche Verknüpfung von politischen Anliegen und dem als “un- oder vorpolitischen” Raum verstandenen Arbeitsplatz zu erreichen.

Wenn wir die Kollektivbetriebe am 8. März geschlossen lassen, geht es also zunächst weniger um den volkswirtschaftlichen Druck. Es geht vorrangig darum, Kolleg:innen aus Chef:innenbetrieben Mut zu machen. Dafür wäre es schön, wenn ihr Abwesenheitsnotizen und News auf eurer Website und Aushänge in den Schaufenstern erstellt. Mit dem Aussetzen der Arbeit ermöglichen wir den Kollektivist:innen, ihre Problemlagen und Kämpfe an dem Tag auf die Straße zu tragen. Außerdem werden beim Fem-Streik unsere Hände und Köpfe sicher gebraucht – und auch unsere Produkte und Betriebsmittel: Streikcafés in der Produktionshalle oder im Büro, der Lieferwagen als Lauti, mit den Fahrrädern eine Critical Mass veranstalten: Zeigen wir am 8. März, welche Power unsere Kollektive haben!

Für einen solidarischen und gemeinsamen Kampf der Lohnabhängigen in Kollektiv- und Chef:innenbetrieben, für eine bessere Gesellschaft jenseits von Staat, Ausbeutung und Patriarchat!

Die Union Coop Föderation

* Es gibt verschiedene Umgangsformen und Interpretationen in der sprachlichen Darstellung von Geschlecht. Wir benutzten hier das Adjektiv trans für alle, die nicht das Geschlecht haben, dass ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Den Begriff „Frauen„ (ohne Stern) nutzen wir für alle Frauen, egal ob trans oder cis (das Gegenteil von trans). Sofern wir von Statistiken sprechen, sind in diesen i.d.R. nur Frauen erfasst, deren Geschlecht auch staatlich anerkannt ist.

(1) 2019 in Deutschland 19% laut statistischem Bundesamt

(2) 2011 betrug der Unterschied in Deutschland 59,6% nach Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik

(3) Jede Woche sterben in Deutschland allein 3 Frauen durch Gewalt ihres Partners.

(4) Zu Kollektivbetrieben in Nord-Ost-Syrien werden die Kampagne „Make Rojava Green Again“ und die Union Coop Föderation demnächst eine Broschüre heraus bringen. Aktuelle Einschätzungen zur militärischen und politischen Lage vor Ort findet ihr auf https://riseup4rojava.org/de/hintergrund/

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