Browar Sabotaz

47,50 

Kasten à 20 Flaschen, inkl. Flaschenpfand 8 cent.
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Aktuelles MHD: 7.10.2019

Artikelnummer: BS001 Kategorie:

Maße

Gewicht 19000 g
Sorte

El Quatro, Pikieta

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ÜBER DAS BRAUEREIKOLLEKTIV BROWAR SABOTAZ

Seit 2018 gibt es die kollektiv-genossenschaftliche Brauerei. B.S. sind Heimbrauer*innen, sie teilen gern ihr Wissen und ihre Erfahrung, bringen anderen bei, wie man braut, teilen Rezepte. Ziel ist, dass das Bier preislich erschwinglich, auch für ungelernte Biertrinker*innen lecker und zudem umweltfreundlich ist.

Als Kollektiv versuchen sie die Entscheidungsfindung so egalitär und transparent wie möglich zu gestalten. Die Kollektivist@s haben alle Hintergründe in sozialen Graswurzelbewegungen und versuchen auf zwei Arten Teil davon zu sei:

  • Zunächst behandeln sie jede Flasche als Prospekt - Beispiele sind hier zu sehen: https://browarsabotaz.pl/tag/piwa/. Jede Biersorte fördert und beschreibt unterschiedliche Taktiken des Widerstands gegen das gegenwärtige, unterdrückerische System.
  • Zweitens, als eine besondere Art von Arbeiter*innengenossenschaft, sind Browar Sabotaz nach polnischem Gesetz verpflichtet, mindestens 30% des Gewinns für soziale Zwecke auszugeben. Dieses Geld für linke Graswurzelinitiativen ausgegeben werden - wenn es hoffentlich bald Gewinne in diesem Sinne gibt.

 

Interview mit dem Braukollektiv - Sommer 2019

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Brauerei-Kooperative ins Leben zu rufen?

Tatsächlich war die Idee, eine Kooperative zu gründen als erstes da und wir haben nach einem Produkt gesucht, das für unsere Genoss*innen hilfreich sein könnte. Wir wollten etwas produzieren, was sich der kapitalistischen Logik des Exzesses entzieht, also haben wir uns ein Produkt ausgesucht, das ziemlich basic ist und von dem wir glauben, dass es für unsere Kultur wichtig ist.

Was ist eure Perspektive auf Solidarische Ökonomie? Und bezieht ihr euch als Kooperative auf soziale und ökologische Bewegungen?

Wir denken, dass Arbeiter*innen- und Konsument*innen-Kooperativen eine potenziell effektive Strategie gegen das System der Ausbeutung von Lebewesen sind, darum glauben wir, dass sie Teil des Kampfes sind. Wir glauben, dass unsere Arbeit deckungsgleich ist, zu anderen Strategien gegen Kapitalismus, für Klima- und Tierrechtsbewegungen. Alle Mitglieder unserer Kooperative sind aktiv in politischen Graswurzelbewegungen. Wir haben auch einen Pub in Wrocław (Breslau) in Polen, der ein offener Ort für Linke und Graswurzelaktivist*innen ist.

Organisiert ihr euch als Kooperative gemeinsam mit anderen Kooperativen oder Initiativen...jenseits der Wettkampfregeln des Marktes?

Wir versuchen es. Wir haben gute gegenseitige Unterstützungsbeziehungen mit einem Restaurantkollektiv in Warsaw und einem in Krakow. Wir haben schon Events zusammen organisiert zur Kooperativenbewegung oder auch Bierworkshops. Wir haben auch Köch*innen von einem veganen Warschauer Bistro zu unseren Biereinführungen eingeladen um einander gegenseitig zu promoten. Leider fehlt es uns an Kooperativen, welche essentielle Zutaten für uns herstellen: Malz, Weizen, Hopfen, Hefe.

Wieso habt ihr euch für die Rechtsform Kooperative entschieden? Hat das rechtliche oder andere Vorteile?

Ehrlich gesagt haben wir nicht so viel über Vor- oder Nachteile dieses Modells nachgedacht. Wir wollten ein arbeiter*innnengeführtes Unternehmen gründen um uns und anderen zu zeigen, dass das möglich ist. Wie schon gesagt sehen wir unser Unternehmen als Teil einer größeren antikapitalistischen Bewegung der Arbeiter*innenselbstorganisation. Wir experimentieren weiterhin mit möglichst egalitären Strukturen bezüglich Arbeitsteilung und Lohnsystem. Das war von Anfang an das Ziel. Wir machen das, um die Entfremdung, der wir alltäglich begegnen, zu vermindern. Rechtlich gesehen haben Kooperativen in Polen vor allem Nachteile...

Welche Herausforderungen bringt es mit sich als kleine Kooperative gutes Qualitätsbier zu produzieren, insbesondere als linker Betrieb in einem zunehmend politisch rechten Klima in Polen?

Um im Kapitalismus Bier herzustellen brauchst Du Geld. Und natürlich einiges Wissen, welches übrigens nicht besonders geheim ist. Wir sind
ein typisches Beispiel für Leute, die versuchen im Kapitalismus ohne Kapital was zu machen... Wegen der begrenzten Ressourcen war unsere
Produktion von Beginn an sehr klein (wir können uns Nano- oder gar Piko-Brauerei nennen). Mit den geringen Herstellungsmengen können wir
mehr für die Zutaten bezahlen, weil es weniger in den Preis des Endprodukts hinein wirkt. Aber die Fixkosten pro Flasche, also Löhne,
Miete, Steuern etc, sind höher. Das macht es extrem schwierig, mit kommerziellen Bieren in Wettbewerb zu treten.

Als linke Initiative nutzen sowohl die sozialen Medien also auch jede einzelne Flasche als Material, um Graswurzel-Widerstandstaktiken zu propagieren. Damit erreichen wir vor allem Leute aus der radikalen Linken, welche (in Polen) in der Regel wenig Geld für Bier ausgeben
können. Das komplettiert unser Hauptproblem, das aus dem Dreiklang Geringes Ausmaß, geringe Produktionsmengen, geringe Verkaufszahlen besteht. Vor diesem Hintergrund ist es leider schwierig, kostendeckend zu arbeiten.

Zudem sind wir mehrfach von Nazis, die in unserer Stadt (Wroclaw) ziemlich aktiv sind, angegriffen worden. Bei unserer Kneipe wurden Fenster eingeschlagen, es gab einen Zwischenfall mit Tränengras und unsere Gäste wurden vor der Tür attackiert. Über mehrere Wochen hatten wir alle drei Tage einen Zwischenfall mit Nazis. Immerhin hat uns dasauch viel Unterstützung und Öffentlichkeit gebracht, zuletzt war es somit gar nicht so schlecht.

Eure Flaschenetiketten präsentieren Widerstandsstrategien gegen Unterdrückung. Könnt ihr was sagen darüber wie ihr zu den Etiketten kommt?

Wenn wir ein neues Bier machen, überlegen wir ein bisschen. Der Name des Biers soll nicht nur eine Taktik bewerben sondern auch irgendwie den Charakter des Biers widerspiegeln. Zum Beispiel heißt unser Frisches Hopfen-Ale "Guerilla Gardening". Wir wollen auch, dass die Namen nicht zu offensichtlich sind, so dass sie mit den Geschichten und Abbildungen auf den Flaschen spielen können und somit mehrere (chaotische und anit-autoritäre) Assoziationen zulassen. Das Etikett selbst wird jedes mal von anderen Leuten illustriert. Manchmal kommen Wortspiele vor, die schwer zu übersetzen sind. Trotzdem behalten wir unser für Polen ziemlich radikales Branding - es fällt allen auf, die von uns gehört haben, eben auch den Nazis.

Wie wählt ihr eure Zutaten und Lieferkette?

Wir kaufen die Zutaten von möglichst kleinen und möglichst lokalen Strukturen. Wir träumen davon, eine Lieferkette zu haben, welche komplett von Kooperativen organisiert wird, doch davon sind wir weit entfernt. Wir kaufen den Hopfen von einem kleinbäuerlichen Betrieb in Ostpolen. Das ungemalzte Getreide kommt von Höfen in unmittelbarer Nähe zur Brauerei. Aber das Malz, die mengenmäßig wichtigste Zutat für Bier, beziehen wir von polnischen und deutschen Fabriken. Der Malzmarkt ist stark zentralisiert, somit ist es schwer, kleine Hersteller zu finden. Aber zumindest importieren wir nicht aus fernen Ländern. Wir werden definitiv kein Bier mit  amerikanischem Hopfen oder Mango brauen. Wir versuchen unser Bier einfach und umweltfreundlich zu halten.

Wie seid ihr organisiert und wie sichert ihr eure egalitäre Struktur?

Das ist eine schwierige Frage! Wir sind ziemlich chaotisch. Unsere Arbeitsteilung ist flüssig, da gibt es keine festgeschriebenen Rollen. Manche Rollen, wie z.B. die Buchhaltung, sind schwieriger zur rotieren als andere - aber wir versuchen diese Aufgaben nicht einzelnen Personen für immer zuzuschreiben. Die Tresenschichten und das Kochen in der Kneipe rotiert gleichmäßig, wir versuchen auch alle Mitglieder in das Brauen neuer Rezepte einzubinden. Wir treffen alle Entscheidungen in regelmäßigen Treffen, wovon es ein bis drei pro Woche gibt. Unsere Löhne sind außerdem von der Arbeit unabhängig und natürlich haben wir keine*n
Chef*in.

Habt ihr Angestellte oder sind alle, die für die Kooperative arbeiten auch Mitglied derselben?

Wir versuchen alle, die für uns arbeiten in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Davon sind die Illustrator*innen ausgenommen, da sie jedes mal wechseln. Inzwischen sind alle Arbeiter*innen auch Teil der Kooperative.

Wie geht ihr im Kontext eures Unternehmens mit Privateigentum um? Können die Gewinne von einzelnen Personen privatisiert werden?

Wir sind diesbezüglich in der komfortablen Situation, dass die polnischen Gesetze es verbieten, dass Gewinne von Kooperativen privatisiert werden. Wir müssen alle Gewinne für unsere eigenen Investitionen oder für soziale Zwecke ausgeben. Momentan gibt es natürlich keine Gewinne, das ist also gar kein Thema. Von Anfang an war uns klar, dass wir uns an diese gesetzlichen Vorgaben auch halten werden, wir wissen also, dass wir aus dem Unternehmen nie mehr raus bekommen werden als unsere selbstbestimmten, egalitären Löhne. Wir sehen uns als antikapitalistisch, also sind wir gegen Privateigentum.

Wir träumen davon, dass die gesamte Wirtschaft von selbstorganisierten Arbeiter*innenkooperativen übernommen wird. Es könnte ein guter Anfang sein, einige davon jetzt schon mal zu etablieren um dann Schritt für Schritt die kapitalistische Wirtschaft abzuschaffen und ausbeutungsfreie Lieferketten zu etablieren. Deshalb wollen wir unser Bier vor allem an andere Kooperativen verkaufen. Es wäre perfekt, wenn es ländliche Kooperativen gäbe, die uns Zutaten bereitstellen, grade fällt es jedoch schwer sich das vorzustellen.

Jedenfalls ist die Selbstorganisierung am Arbeitsplatz ein interessante, prototypische Erfahrung, die uns in unseren alltäglichen antikapitalistischen Kämpfen stärkt. Vielleicht wird uns unser Wissen mal helfen Alternativen größeren Umfangs zu organisieren, wenn die Klimakatastrophe eingetreten ist. Bier wird dann mit Sicherheit gebraucht werden.

https://browarsabotaz.pl/